Verpflegung auf langen Touren

Schaut man auf unsere Island Tour von 2018 , dann merkt man, dass wir ganz schön lange am Stück unterwegs waren. In Anbetracht der langen Dauer (ca. drei Wochen am Stück), werfen sich einige Fragen bezüglich des Essens auf.

  • Was kann ich mit nehmen?
  • Was brauche ich?
  • Wie viel brauche ich am Tag ?
  • Wie oft muss ich am Tag essen ?
  • Was muss ich beachten wenn ich mein Proviant zusammenstelle?
  • Was für Auswirkungen kann eine fehlerhafte Planung haben?
  • Und vor allem: Was tue ich wenn ich mich verkalkuliert habe

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Einer der uns am häufigsten entgegengebrachten Kommentare im Netz war wohl, dass wir verhungern würden und, dass es Irrsinn ist für 24 Tage die komplette Verpflegung mit zu schleppen. Der wohl am drastischsten formulierte Kommentar war “Ihr werdet sterben”. Vorab kann man jedoch sagen, dass es an einigen Stellen auf Verzicht hinaus lief. Die Komfortzone, die wir ansonsten im Alltag haben, mussten wir deutlich verlassen und erfuhren hautnah, dass Abwechslung und Vielfalt etwas ist, was man im normalen Alltag kaum schätzt.

“There’s a pretty good chance you are going to die with that plan.” A reddit.com user

Genug essen und trinken

Durch die körperliche Anstrengung und Aktivität ist der Kalorienbedarf deutlich höher als normal (ca. doppelt so hoch 4000-5000 kcal).

Bei niedriger Außentemperatur (auch nachts im Schlaf), hat der Körper ordentlich zu schuften um die Körperkerntemperatur von 3637 °C aufrecht zu erhalten. Es wird also mehr Energie auch in den Ruhephasen benötigt, was nicht nur den Bedarf an Kalorien erhöht sondern auch unterstreicht, wie notwendig passende Kleidung und ein guter Schlafsack ist.

Nimmt man nicht genügend Wasser, Salze und Mineralien zu sich, kann der Elektrolyt- und Wasserhaushalt durch das Schwitzen ordentlich durcheinander kommen. Das kann sich sowohl negativ auf die Kreislaufsituation auswirken, als auch für die Nieren eine Belastung darstellt.






Die Art der Ernährung auf solch einer Tour weicht deutlich von der im normalen Alltag ab, was sich leider oftmals im Verdauungssystem bemerkbar macht. Führen kann das zu unangenehmen Zuständen von Verstopfung bis hin zu Durchfall. Zum Thema “der kleinen Reiseapotheke” kommt bestimmt noch ein separater Artikel!






Zu wenig Essen führt zu schlechter Stimmung

Ein schlecht gefüllter Bauch lässt die Stimmung sinken und ist quasi ein Todesurteil für die Motivation, was in Gruppen tatsächlich zu Konflikten und Spannungen führen kann. Essen ist neben Schlafen, Waschen sich kleiden, etc. eines der Grundbedürfnisse des Menschen und bildet somit das Fundament der Zufriedenheit.

Werden diese Grundbedürfnisse nicht gestillt, führt das unweigerlich zu einem reduzierten Mental-Zustand und zur Unzufriedenheit. Der Körper kommt quasi in eine Stresssituation und wird anfälliger für äußere Reize: Der Regen ist noch unangenehmer, der Berg ist unnötig Steil und das gesuchte Gespräch des Mitwanderers ist gerade das letzte was man hören will.

Kleiner Fun-Fakt bezüglich Stress

Stress im allgemeinen kann sich so negativ auf den Körper auswirken, dass die Fähigkeit der Aufmerksamkeitslenkung und Fokussierung verloren geht. Tatsächlich geht das soweit, dass Stress das Schmerzempfinden steigert und sogar die Wundheilung beeinträchtigt.

Eine lange Wandertour verfolgt nun nicht das Ziel Stress auf zu bauen, sondern viele Eindrücke zu sammeln und viel zu erleben. Daher stellt (gutes) Essen ein wichtiges Fundament dar, um Stress zu vermeiden.

Welche Lebensmittel mitnehmen?

Prinzipiell richtet es sich danach wie lange man unterwegs ist und was man gerne mag.

Ist man kürzer unterwegs, spricht nichts gegen Käse und Wurst, da diese Dinge sich durchaus ein paar Tage halten. Ist man allerdings länger unterwegs (also eine Woche oder länger) bieten sich schnell verderblichen Lebensmitteln eher nicht an.



Wir haben uns, in Anbetracht der großen Menge an benötigter Nahrung, für gefriergetrocknete Gerichte entschieden. Diese müssen nur mit heißem Wasser aufgegossen werden und sind sehr leicht. Zudem besteht nicht die Gefahr das diese während der Tour verderben.

Frühstück

Neben dem eigentlichen Essen gab es morgens eine Tasse Tee, wobei wir das nächste mal auch löslichen Kaffee mitnehmen werden. Der Tee wärmte nach einer Nacht bei 5°C nicht nur von Innen, sondern weckte auch die Lebensgeister und das Immunsystem (kommt da natürlich auf den Tee an, wir hatten überwiegend heiße Zitrone dabei).

Die Basis fürs Frühstück bildete Porridge oder Rührei (wir hatten die Variante aus dem Beutel von Trek ‘n eat und waren geschmacklich positiv überrascht).

 Unser normales Frühstück bestand also aus 1x Beutel Porridge + 1-2 BP-WR Riegel (das ist süßlich schmeckende Notnahrung und fast das gleiche wie BP-5, NRG-5, NRG-M, EPA, MRE, …). Zusätzlich haben wir eine gute handvoll Nüsse (Walnuss, Cashewkerne, Erdnüsse, Macadamia, etc.) und Trockenobst (Pflaume, Feige, Dattel, Aprikose) unter gemischt um etwas Abwechslung zu haben.

Im großen und ganzen haben wir darauf geachtet ein Frühstück zusammen zu stellen was lange sättigt, so dass nicht direkt nach kurzer Zeit des Laufens ein Hungergefühl auftritt. Zudem sollte es Ballaststoffe für die Verdauung enthalten und sowohl lang- als auch kurzkettige Zucker beinhalten, wodurch man kurz- und langfristig Energie zur Verfügung hat.

Gefühlt hatte jedoch das Rührei als alleiniges Frühstück nicht so gut vorgehalten. Im Nachhinein werden wir allerdings noch etwas experimentieren da die vielen Nüsse mit dem hohen Fettgehalt leider auch ihre Schattenseiten bezüglich der Verdauung hatten …

Der Motivations-Riegel

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sich anbietet einen Motivations-Riegel leicht zugänglich parat zu haben. Das sollte ein Schokoriegel (oder Ähnliches) sein, den man sehr mag und auf den man sich freut.

Dieser war sowohl für die Zeit gedacht in der sich der Hunger ein wenig anbahnt, als auch als Motivation für anstrengende Passagen. Es hebt die Stimmung und motiviert einen doch die Steigung hoch zu laufen und sich ein wenig durch zu beißen.

Wir hatten Müsliriegel, Schokoriegel, Bananenchips und diverse Nüsse eingepackt.

Mittagessen

Dies wurde meist nach hinten geschoben und oft mit dem Aufbau des Lagers verbunden. Alternativ wurde auch bei guter Wetterlage an Orten gekocht an denen man sich gerne aufgehalten hat (Berggipfel, Flüsse, Seen… wie es uns beliebte).

Wir hatten uns zuvor mit gefriergetrockneter Nahrung eingedeckt (von Trek’n Eat, wobei es diverse und vielleicht auch bessere Hersteller gibt). Das drückt leider ein wenig auf den Geldbeutel, da eine Mahlzeit gerne bei 6-8€ liegen kann. Zudem mussten wir feststellen, dass man als Vegetarier dort deutlich in seiner Auswahl eingeschränkt ist und man doch froh ist, wenn es nicht das dritte mal in Folge Sojabolognese gibt!

In Summe waren wir mit den Produkten aber durchaus zufrieden.

Abendessen

Abends gab es vor der Nachtruhe oft nochmal eine Brühe, eine Suppe, oder eine Portion Kartoffelpüree mit Parmesan.

Wir hatten uns drei Etappenziele gesetzt und für jede Etappe jeweils ein Mousse au Chocolat mitgenommen (wie die oben ebenfalls von Trak’n Eat). Das stellte sich als tatsächlich hilfreich heraus, da es als kulinarisches Highlight nochmal neuen Schwung und Durchhaltevermögen mit sich brachte!

Zu wenig Kalorien

In Summe sind wir bei weitem nicht auf die zuvor veranschlagten 4000-5000 kcal gekommen. Aufgenommen hat Hauke ca. 2000 kcal (+- 500 kcal) und ich ca. 1700 kcal (+- 500 kcal).

Interessanterweise hat Hauke in der Zeit 8 kg verloren, was wir bei der nächsten Tour definitiv versuchen werden zu vermeiden, ich habe mein Gewicht jedoch gehalten.

Unser Fazit

Wir haben in der Essensplanung durchaus noch Potential für Verbesserungen und werden uns demnächst mit dem Dörren von Speisen befassen (hierzu werdet ihr hier in Zukunft bestimmt noch was finden).

Jeder Stoffwechsel ist individuell! Der Unterschied zwischen Hauke und mir war da sehr gewaltig. Man sollte sich vorher schon mal mit sich selber befassen und mal austesten wie viel man am Tag ca. braucht und schauen wie der Körper mit solchen Rationen (z.B. dem Frühstück) klar kommt.

Probekochen und Probewandern ist keine schlechte Idee ;)

Kristina

Mein Weg führt mich nicht nur durch die Ausbildung zum Physiotherapeuten sondern auch immer wieder raus ins Grüne. Quasi die Flucht vor den Papierbergen die gelernt werden wollen, raus in die Stille wo ich auf mich gestellt bin. Und wenn ich gerade mal nicht draußen oder am Schreibtisch bin, bin ich in der Kletterhalle an der Wand zu finden oder im Graß liegend Photographierend.

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